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INSIDE DFI #18

INSIDE DFI #18

INSIDE DFI // ONCE ASKED QUESTIONS // TIM KOENECKE // DOZENT

Tim Konecke ist Design Factory Alumni, heutiger Dozent und seit diesem Semester der Coordinator für das Basic Study Program. Neben seiner Tätigkeit bei uns, führt Tim sein eigenes Studio godewind und ist einmal wöchentlich im Podcast von Pixelburg zu hören. Im Interview erzählt er uns wie er den Perspektivenwechsel von Student zum Dozenten sieht:

Du bist Alumni. Wie kam es, dass du zum Dozenten wurdest?

Ich habe mich irgendwie schon immer sehr stark mit meinen Schulen, Arbeitsplätzen und dann eben auch meiner Uni identifiziert. Während des Studium war ich als technischer Assistent an der DFI tätig, hielt in meinem Abschlusssemester Wochenendworkshops für andere Studierende und kam dann zwei Jahre nach meinem Abschluss als Dozent zurück.

Wie würdest du rückblickend deine Zeit als Student beschreiben?

Ich habe mich damals für die DFI entschieden, weil sie die unangepassteste Designschule in Hamburg war. Damals noch in der Kastanienallee direkt hinter der legendären Esso-Tankstelle auf dem Kiez konnte man den Dreck von der Straße in den Arbeiten an den Wänden sehen. Es war alles etwas rauer, durchgeknallter und ehrlicher als das, was ich bei anderen Schulen gesehen hatte.

Als ich ins dritte Semester kam, fand der Umzug statt und wir landeten von dem Rotklinker auf St.Pauli in der denkmalgeschützten Seefahrtsschule an der Elbchaussee. Das war ein ganz schöner Kulturschock für uns alle.
Mittlerweile ist der Punkrock aber glücklicherweise wieder zurück an der DFI.
Davon abgesehen war meine Studienzeit auf jeden Fall eine ganz ordentliche Achterbahnfahrt. Vollzeit arbeiten, dazu möglichst viele Kurse belegen und versuchen auch anwesend zu sein, die Gründung meines Videospielmagazins und dann auch der Genuss der studentischen Freiheiten sorgte dafür, dass mir gar nicht langweilig werden konnte.

Das Studium ließ sich schon damals auf meine Bedürfnisse zuschneiden – und wenn wir mit dem Videospielmagazin die Möglichkeit bekamen eine TV-Sendung zu produzieren, konnte ich mir im nächsten Semester After Effects und Premiere beibringen lassen, ohne auf Druck & Produktion und Brands & Branding verzichten zu müssen.

Gibt es Dinge die sich nicht verändert haben oder Dinge die enorm anders sind?

Die DFI bleibt für mich immer ein mysteriöses Ding.
So viele Menschen haben in den letzten 26 Jahren ihren bleibenden Eindruck im Schulkonzept, in der Organisation, in den Räumlichkeiten, in der Philosophie hinterlassen, dass es eigentlich fast unmöglich ist, ganz durchzusteigen.
Und trotz anderer Schulleitung, anderen Dozenten und anderen Räumen, fühlt
sich die DFI trotzdem noch oft so an wie das verrauchte Treppenhaus hinter der Reeperbahn, das ich 2010 erstmalig betreten habe.

Welche Werte und Regeln würdest du jedem Studenten gerne mit auf den Weg geben und welche Fehler sollten vermieden werden?

Erstmal ist mir wichtig, dass jede und jeder Studierende sich selbst als Gestalter wahrnimmt. Nicht als Schüler und auch nicht als Künstler, sondern als Gestalter. Befasst euch damit, integriert Design fest in euren Alltag. Habt den am besten typografisch gestalteten Namen auf dem Klingelschild eures Mehrfamilienhauses, verschenkt selbstgemachte Grußkarten und sucht euch in eurem privaten Leben etwas, an dem ihr die gelernten Dinge ausprobieren könnt und wofür euer Herz schlägt.

Hier lernt man keinen Job bei dem man um 17 Uhr Feierabend macht und nach Hause geht. Ihr lernt hier neben dem Handwerk auch, welcher Haltung es bedarf, Gestaler zu sein. Außerdem bin ich seit einigen Wochen großer Verfechter des Themas Ethik im Design und rede mir hierzu den Mund fusselig. Seid euch bewusst welche Verantwortung ihr tragt, wenn eure Gestaltung in die Öffentlichkeit gerät.

Hast du eine lustige oder interessante Anekdote aus deiner Zeit als Student?

Ich erinnere mich an eine Abschlussprüfung bei der ich als Beisitzer mit drin saß. Da dürfte ich selbst im zweiten Semester gewesen sein. Der Student vorne zeigte sein Konzept für ein Webportal, das auf Daten basierte die er zusammengetragen hatte. Er hatte Zielgruppen definiert, Probleme analysiert und Lösungen dafür gefunden. Das Konzept hatte Hand und Fuß.

Doch Gerrit, unser lieber Gründer und damaliger Schulleiter war dafür nicht zu haben. Nach dem gefühlt zwanzigsten Text-Chart sprang er auf und schrie aus
vollem Leibe: „WIR SIND VISUELLE MENSCHEN, WIR WOLLEN BILDER SEHEN.“

Das blieb bei mir hängen und genau das schreie ich nun auch ständig im Portfolio-Kurs im 3. Semester. Wenn ihr was zu zeigen habt – zeigt es!

Und das, was der Abschlussstudent damals präsentierte, war ein lupenreines UX-Konzept. Nur konnte damals noch niemand etwas mit UX anfangen.

War der Schritt in die Selbstständigkeit schwer? Wie mutig muss man sein?

Puh, was ist schon schwer, was bedeutet mutig. Mein Weg in die Selbstständigkeit war lange geplant und vorbereitet. Das aber auch nur, weil ich an dem Vorhaben direkt nach meinem Abschluss schon mal gescheitert war
– ich wusste also welche Zettel vom Finanzamt und von der Krankenkasse wichtig waren und welche man nicht auf dem Stapel mit der Werbepost geschlossen warten
lassen sollte.
Somit war die Gründung meiner Agentur vor etwas über zwei Jahren dann besser vorbereitet und eigentlich ziemlich leicht.

Das mit dem Mut ist nochmal was anderes.
Ich glaube, dass viele auf den richtigen Moment warten, um sich selbstständig zu machen. Mittlerweile bin ich mir ziemlich sicher, dass es diesen Moment einfach nicht gibt. Man muss sich vorbereiten, sich irgendwie absichern und dann einfach machen. Für die Gründung und den ersten Schritt kann man sich also genügend Netze und doppelte Böden aufbauen, bevor man ihn wagt. Für den Rest braucht es dann Mut – oder besser Zuversicht. Es gibt immer Hoch- und Tiefphasen und von denen darf man sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen lassen.

Die Studenten sind immer sehr begeistert von Dir und deiner Art, kannst du dir das selbst erklären?

Ich habe immer nur gehört, dass es Leute gibt, die meine Kurse wegen ihres Unterhaltungswertes, nicht wegen des Inhaltes wählen – deswegen bin ich mir nicht ganz sicher wie ich diese Frage beantworten soll.
Mir macht das Unterrichten am meisten Spaß, wenn ich merke, dass die Leute im Kurs Bock auf das haben, was sie da machen. Und ich möchte, dass jede und jeder sich ernst genommen fühlt. Alle sollen von ihrer Arbeit und ihrem Gefühl zu ihrer Arbeit begeistert sein. Wenn meine Kurse das schaffen, dann wäre das toll.

PlayStation oder Xbox?

Die Frage ist natürlich aktuell wie eh und je – auch wenn es auf meinem Grundschulhof noch um Sega Mega- drive vs. Super Nintendo ging. Aber bei den Grabenkämpfen mach ich heute nicht mehr mit.

Die richtige Anwort ist:

Beides. Oder besser: PlayStation, Xbox, Switch, PC und alles dazwischen. Kommt am Ende drauf an, wo deine Freunde sind und wo die Spiele erscheinen, die dich interessieren.

Als Videospiel-Redakteur musste ich eh immer auf allen Plattformen unterwegs sein und jetzt wird es über Crossplay und Game-Streaming immer egaler.

Wenn sich jemand eine neue Konsole kaufen will, rate ich immer zur Nintendo Switch. Sie ist für mich aktuell das Beste aus allen Welten.

Mit welchem Spiel würdest du die Design Factory am ehesten vergleichen? (Monopoly zählt nicht)

The Elder Scrolls: Skyrim.

Am Anfang erstellst du dir einen Charakter, so wie du ihn gern hättest.
Dann legst du los, levelst die Eigenschaften deines Charakters auf und kannst jederzeit vom schleichenden Schurken auf den gepanzerten Krieger umskillen – oder ein guter Allrounder werden.

Wenn du nur der Hauptmission folgst bist du nach 30 Stunden durch und hast einige tolle Sachen gesehen. Wenn du aber auch auf Erkundungsreise durch die Spielwelt gehst und Nebenmissionen mitnimmst, kannst du bei weit über 1000 Stunden Spielspaß landen und wirst danach jedes Spiel das du spielst an deiner Erfahrung mit Skyrim messen.

Außerdem, für alle die das Spiel kennen:

It’s not a bug, it’s a feature.


Hier findet ihr noch mehr von Tim:

studio godewind

Pixelburg.tv

Dozentenbeschreibung


Und wo das her kommt, gibts noch viel mehr:

https://www.design-factory.de/news

 

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Interview by Anna Tikhonovic // Fotos by Tim Schulz